Deutschland und seine Flüchtlinge inmitten eines weltweiten Dramas -

Angst vor großen Flüchtlingszahlen erfasst Europa seit einiger Zeit. Allerdings berührt die weltweite Flucht- und Migrationsbewegung uns nur am Rand. Die meisten der 65 Millionen Menschen fliehen in ebenfalls meist arme Nachbarländer im Nahen Osten oder in Afrika. Die meisten Flüchtlinge wollen zurück in die Heimat und nur wenige weiter nach Europa. Dennoch sind es immer noch Tausende, die vor der Festung Europa unter humanitär desolaten Lebensbedingungen ausharren und hoffen. Und es sind viele, die bei dieser Flucht schon ihr Leben verloren haben. Europas Sicherheitspolitik schützt Grenzen und nicht Menschen. Diejenigen, die es nach Europa schaffen, kämpfen gegen drohende Abschiebung, leiden unter Unsicherheit, Untätigkeit und Perspektivlosigkeit und verlieren wertvolle Lebenszeit mit Nichtstun. Und diejenigen, die in den großen Flüchtlingslagern oder in primitiven Unterkünften in den benachbarten, meist armen Ländern leben, beachten wir nicht.

Pater Frido Pflüger ist 1947 in Albbruck im Südschwarzwald geboren und studierte unter anderem Philosophie und Theologie. Seit 2012 leitet er den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) Deutschland in Berlin. Er ist Flüchtlingsseelsorger im Erzbistum Berlin, Vertreter des Erzbistums in der Berliner Härtefallkommission und Vertreter im Katholischen Forum "Leben in der Illegalität". Aus seiner Arbeit mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst kennt er die Lage in Afrika, im Nahen Osten und hier in Deutschland und berichtet über seine Erfahrungen.