Vorwort zum Programm Juli bis Dezember 2017

 

 

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen,

 

sondern möglich machen.“         Antoine de Saint-Exupery

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Wir leben in einer bewegten Zeit - Veränderungen, Umbrüche, Neuorientierungen – nicht nur gepaart mit Enthusiasmus und Euphorie, mit Mut und Kreativität, sondern auch mit Angst, Unsicherheit, dem Gefühl der Bedrohung – sind Zeichen unserer Zeit:

 

- Da sind die politischen Neukonstellationen nach Wahlen in unserem Land, in Europa, weltweit.

 

- da ist die nicht enden wollende Diskussion über einen einheitlichen Umgang mit den bei uns Zuflucht und Heimat suchenden Menschen und die damit verbundene, noch nicht ausreichend gelingende Integrationsarbeit,

 

- da ist die Wahrnehmung zunehmenden Misstrauens gegenüber dem Islam, der schnell und leichtfertig in Verbindung mit Terror und Gewalt gesehen wird, und die daraus resultierende Skepsis gegenüber allem Fremdartigen,

 

- da ist die große Sorge um die Konsequenzen des Klimawandels, die uns nicht mehr nur national, sondern in aller Dringlichkeit  global zu gemeinsamen Handeln auffordert und zwar im Bewusstsein, dass der „Schrei der Erde“ der zugleich ein „Schrei der Armen“ ist, wie Papst Franziskus es in seiner Enzyklika „Laudato sii“ ausdrückt, nach einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Zusammenhang von Denken und Handeln verlangt,

 

- da ist unsere Not als Christen angesichts einer schwindenden religiösen Sozialisation und die Frage, ob die Umwandlung bestehender, vertrauter und überschaubarer Pfarreien in große Pastoralverbünde eine Antwort auf die „Zeichen der Zeit“ gibt, so dass Kirche als religiöse Heimat empfunden werden kann.

 

Wir wissen, Konflikte können nicht gelöst werden durch Beharren auf eigenen Ansichten und durch Isolation.   Auf dem Hintergrund  einer   gemeinsamen Vision vom  friedlichen Miteinander der Menschheitsfamilie auf unserem Planeten sind Begegnung, Dialog und Gespräch notwendig um Lösungen möglich zu machen.

 

Die bekannte palästinensische Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser benennt in ihrer Biographie „Ein Leben für den Frieden“ Grundvoraussetzungen und Grundhaltungen    für gelingende Verständigungsprozesse, aufgezeigt am Beispiel der Friedensarbeit im israelisch-palästinensischen Konflikt:

 

- „Als größten Feind sahen wir in der aktuellen Situation wie auch in der Geschichte falsches oder ungenaues Wissen voneinander. Fehlinformationen und Ideologie schüren Angst und Misstrauen und lassen unsere Völker in Trennung verharren.“

 

- „Wir wollen fähig sein, einander gegenüberzustehen und in die Augen zu sehen und dabei zu wissen und anzuerkennen, dass wir nicht gleich sind, dass wir eine unterschiedliche politische und kulturelle Identität haben, die es zu erhalten gilt, dass uns aber gleichzeitig die Arbeit am Gemeinschaftswerk für den Frieden verbindet.“

 

Information und Wissen einerseits, Verstehen und Respekt  andererseits – das kath. Bildungswerk versucht mit seinen Angeboten diese Grundsäulen in der Auseinandersetzung mit den aktuellen Lebens- und Glaubensfragen erfahrbar werden zu lassen.

 

- Marc Frings, Ramallah (Westjordanland), Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in den palästinensischen Gebieten, informiert uns in seinem Abendvortrag über die aktuell  politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem –  gut 25 Jahre nach dem Scheitern des Osloer Friedensprozesses.

 

- Prof. Klaus von Stosch, Leiter des Zentrums für komparative Theologie und Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn, zeigt Wege auf, wie Christen andere religiöse Überzeugungen wertschätzen können. Unter dem Stichwort „Mit allen Sinnen Gott suchen“ steht die Auseinandersetzung mit der Ästhetik und Sinnlichkeit des Korans im Fokus seines Vortrages.

 

  • Der Tag des interkulturellen Dialogs ist in erster Linie ein Tag der Begegnung

 

zwischen Christen und Muslimen, bei dem Information und die Chance gegenseitigen Verstehens zusammenfließen, getragen von einer hoffnungsvollen  und zuversichtlichen Grundstimmung, wie sie die Musikerin Bea Nyga in ihren Liedtexten zum Ausdruck bringt. An der Podiumsdiskussion nehmen  der Europaparlamentarier Elmar Brok, die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer, der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Bielefeld, Mehmet Ali Ölmez, die muslimische Lehrerin Najla Mejri und die Architektin Gülseren Aybay teil.

 

- Prof. Dr. Willibald Bösen wird in seinem alljährlich stattfindenden Seminar die brennende Glaubensfrage nach der Bedeutung des Kreuzes für uns Christen stellen: „Musste einer für alle sterben?“ - von Sünde und Schuld, von Sühne und Versöhnung, von Opfer und Vergebung -

 

Die Zukunft möglich machen – durch Information über aktuelle Themen aus Theologie und Gesellschaft und durch Begegnung, in der Sensibilität für den Standpunkt des je Andersdenkenden entwickelt werden kann und ein empathisches Hineinspüren in seine Gedankenwelt und Gefühle, denn „Empathie beleuchtet das Unsichtbare und öffnet Augen und Herzen“. ( Sumaya Farhat-Naser)

 

Wir hoffen, dass unsere Bildungsangebote dazu beitragen und wir Ihr Interesse geweckt haben.

 

Herlinde Jolk