Nachbericht zum Thema Mensch und Wasser

Dr. Lanz beschäftigt sich seit über 30 Jahren intensiv mit Wasser. Als Chemiker kennt er die Wege des Wassers, wie sie die Wissenschaft beschreibt. Als Umweltaktivist erlebt er die politischen Kämpfe um Gewässerschutz und Privatisierung. Über allem aber steht die durch Wasser vermittelte Gewissheit des Verbundenseins - nicht nur als spirituelle Übung, sondern als Kompass in einer gefährdeten Welt. Im Vortrag und im Gespräch hat er die Tiefen unseres Verhältnisses zum Wasser ausgelotet.

„Mensch und Wasser: Was verbindet uns?“ unter diesem Leitthema sprach Dr. Klaus Lanz. Es ging um die spirituelle Dimension in unserem Verhältnis zum Wasser als einer lebensnotwendigen Ressource.

Herr Lanz stieg mit der Feststellung ein, dass Wasserknappheit in Deutschland lange kein Thema war.

Seit 2018 wird deutlich, wie eng Klimawandel und Wasser verknüpft sind. Ein paar Schlagworte:

Monatelange Trockenheit, niedrige Pegelstände in Seen, Flüssen und Talsperren, Ernteausfälle, verdorrte Wälder…

Im weiteren Verlauf des Vortrags wurde deutlich: Die Problematik besteht nicht allein durch den Klimawandel, der Mensch „übernutzt“ das Wasser: ohne Talsperren geht nichts, die Industrie hat einen immensen Wasserverbrauch, für Kläranlagen wird viel Wasser zum Verdünnen gebraucht, die Trinkwasserversorgung der Städte muss sichergestellt werden.

Herr Lanz kam auf die Geschichtlichkeit von Wasser zu sprechen. Es ging darum, dass auch unser Grundwasser als Trinkwasser häufig eine lange Geschichte hat, wenn wir es aus der Tiefe pumpen.

Der Referent stellte Beispiele vor von der Geschichtsvergessenheit von Wasser, z.B. im Ogallalla-Aquifer in den USA, größtes unterirdisches Wasservorkommen der Erde: Es wird konstant mehr Wasser für Bewässerung entnommen, als nachkommt.

Lanz stellte fest: „Wir brauchen mehr Bewusstsein für die Geschichtlichkeit von Wasser und für die Bedingtheit von Wasser“ und er fragte: „Verdient nicht auch Wasser Denkmalschutz?“

Der Referent kam auf die neuseeländischen Maori zu sprechen. Diese leben, anders als wir, im Einklang mit der Natur und sehen sich als Teil des Ganzen, des Kosmos, verbunden mit Göttern und Vorfahren. Sie leben im Bewusstsein der Geschichtlichkeit der Dinge, die sie umgeben, z. B. eines Baumes.

Ansichten der Maori:

Wasser ist ein zentrales Element der kosmischen Ordnung, die als Grundlage der    Lebensenergie (mauri) verstanden wird

Sie leben sozusagen im vollen Bewusstsein der Geschichte und der eigenen Verbundenheit damit (Wasser, Tiere, Bäume etc.)

Diese Haltung fühlt sich an, als schreite man rückwärts in die Zukunft

Das Weltbild ist eine Frage der inneren Haltung und der Erziehung.

Anders als die maori sind wir in unserem Weltbild getrennt von der Natur; ihre Ausbeutung und Zerstörung hat keinen Einfluss auf uns selber.

Der Referent betonte: Wir können uns aber bewusst machen, dass das Wasser in unseren Zellen, unserem Blut, unserem Gehirn eben noch als Regen, Tau oder Wolken unterwegs war – und auch wir und jedes Lebewesen Teil eines großen Kreislaufs sind.

Wir sollen auch die zeitliche Dimension des Wassers erkennen: Wir leben mit Wasser und in Wasserlandschaften aus uralten Zeiten. So sind wir durch Wasser mit zehntausenden Jahren Erd- und Menschheitsgeschichte verbunden. Durch Wasser haben wir auch Anteil an der Zukunft und tragen Verantwortung.

Ein Denken und Planen mit Blick auf Erd- und Wassergeschichte lässt Projekte wie Rheinbraun in anderem Licht erscheinen. Die Nachhaltigkeit hat auch eine zeitliche Komponente: Was sind die Folgen für die Kinder unserer Enkel?

Wir brauchen zudem Respekt und Achtung vor dem Alter: Ein Bewusstsein für die Entstehung und Bedingtheit von Wasserlandschaften und Wasser an sich ändert unsere Haltung zur Nutzung und verstärkt das Bewusstsein, dass wir Menschen Teil eines Ganzen sind, auch in einem zeitlichen Aspekt. Die Erkenntnis der Abhängigkeit, des Ausgeliefertseins initiiert verantwortungsvolles Handeln: Es kommt auf mich an.

Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist hier auf unserem Youtube-Kanal verfügbar.