KBW Bielefeld Programm ist online

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Ich möchte nicht in Grenzen denken und fühlen, sondern in Möglichkeiten.“     (Pierre Stutz)

Ein Ich – Appell! Spricht er mich an?  Und wenn ja, wie?


Er macht mich wütend, ärgert mich, Kopfschütteln, ein unrealistischer Gedanke – keine Grenzen (?) -  ich bin umgeben von Grenzen, spürbar und unübersehbar vor allem in dieser pandemiegeprägten Zeit -  Grenzen der analogen  Begegnung, des Miteinanders, des gemeinsamen Erlebens von Festen und Gottesdienstfeiern, Grenzen ersehnter Gespräche und notwendigen Austausches …


Politische, wirtschaftliche und soziale Grenzen drängen sich mir auf, Grenzen zwischen und unter den Völkern, Ethnien, Religionen und Ideologien.

Oder:
dieser Appell lenkt meinen Blick auf den 2. Teil des Satzes, auf die Möglichkeiten und aktiviert ein „trotzdem“ und „gerade weil“, „etwas Neues“, mobilisiert eine neue Sichtweise,  

Was ermöglicht diesen zweiten Blick? Vielleicht finden wir eine Antwort beim Psalmisten, wenn er klagend fragt:


         „Wie lange noch, o Herr?
        Willst du mich für immer vergessen?
        Wie lange noch verbirgst du mir dein Antlitz?
        Wie lange noch muss ich Sorgen tragen in meiner Seele,
        Kummer in meinem Herzen alle Tage?“  (Ps 13)


Bekommt er eine Antwort? Zunächst ist es nur eine Anklage, ein Aufzählen der Grenzen. Können daraus ein „trotzdem“, eine neue Sichtweise aktiviert werden?


Ich denke, der erste Schritt dazu liegt in der Auswahl Gottes als Ansprechpartner schlechthin, um ihm klagend und bittend Sorge und Angst vorzutragen; dahinter verbirgt sich eine gläubige Zuversicht, die in Erfahrungen der Vergangenheit mit diesem Gott verankert ist. Auch wenn die Zukunft ungewiss ist, erwächst Vertrauen aus der Vergangenheit, befreit aus der Enge der Grenzen und aktiviert neue mögliche Wege.


So kann denn auch der Psalmist am Schluss sprechen:
        „Ich aber baue auf deine Liebe.“

In einigen im 2. Halbjahr 2021 geplanten Veranstaltungen des kath. Bildungswerkes werden die Struktur dieses Gebetsprozesses und die daraus erwachsenen Handlungsmöglichkeiten anklingen.
-    In Kooperation mit der Bonifatiusbuchhandlung Paderborn stellt die Schriftstellerin Andrea Schwarz mit ihrem Buch „Um Antwort wird gebeten“ ihre Gespräche mit Gott vor.

-    Menschlichkeit JETZT! fordert der aus der Schweiz stammende Theologe und spirituelle Lehrer Pierre Stutz. Grade stehen für sein eigenes Leben, über sich selbst hinauswachsen und die je eigenen Möglichkeiten wahrnehmen und aufgreifen heißt die Lebenskunst, die er in seinem Plädoyer für mehr Menschlichkeit entfaltet.

-     Erst vor einiger Zeit ist ein Brief Dietrich Bonhoeffers an Mahatma Ghandi an die Öffentlichkeit gekommen. Er zeigt, wie weit Ghandis Haltung und Botschaft das Leben und die Verkündigungsintention Bonhoeffers beeinflusst haben. Der ev. Pfarrer Johannes Weissinger aus dem Kirchenkreis Wittgenstein stellt eine andere Art von Grenzüberwindung vor.

-    Im Prozess des Synodalen Weges geht es um Wege und Möglichkeiten auf die gegenwärtigen Herausforderungen in der kath. Kirche zu antworten. Im Rahmen eines Frauenbildungsfrühstücks legt Prof´in Dr. Agnes Wuckelt den Fokus auf die Bemühungen um Gleichstellung der Geschlechter in Gesellschaft und Kirche und beleuchtet dabei die Chancen des Synodalen Weges.

-    Der Islamwissenschaftler, Religionspädagoge und Leiter des Zentrums für islamische Theologie an der Universität Münster, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, stellt das „Menschenbild im Islam“ vor, das, entgegen weitverbreiteter Meinung, vom Gedanken der Freiheit geprägt ist und daher nicht ausgrenzt, sondern verantwortetes Handeln ermöglicht.

-    Eine Abendveranstaltung mit Dr. Eugen Drewermann beschließt unser Bildungshalbjahr. Mit der Frage „Wozu Religion?“  stellt Eugen Drewermann die Nutzbarkeit von Religion für „Propaganda, Politik und Wirtschaft“ dem Bedeutungswert für uns Menschen gegenüber. „Religion ist der Ort einer unbedingten Annahme unserer selbst“ (Drewermann).

Lassen Sie sich von den Veranstaltungsangeboten ansprechen.

Herlinde Jolk (1. Vors. kbw)