Sprache ist der Anfang von allem

„Leben in Deutschland“: Beim Sprachkursus für geflüchtete Frauen wirken die katholische und die evangelische Kirche sowie ehrenamtliche Lagenser zusammen       Lage (din).

In der Stadt Lage leben aktuell 674 Menschen, die ihre Heimat auf der Suche nach Sicherheit verlassen mussten. Wenn ihnen noch kein Asylstatus zuerkannt wurde, haben sie kein Anrecht auf einen Sprachkursus. Vor allem den Müttern mit kleinen Kindern ist es kaum möglich Deutsch zu lernen. Mit Unterstützung von mehreren Partnern ermöglicht die katholische Kirche ihnen dennoch, die Sprache zu erwerben. Unter dem Motto „Leben in Deutschland“ bietet der Kursus sogar eine Kinderbetreuung an – eine Besonderheit.  
Am Anfang stand ehrenamtliche Arbeit. In den Jahren 2015/16 begannen viele Freiwillige, in Lage Sprachkurse zu organisieren. Sie unterrichteten aber überwiegend Männer. „Wir wollten aber auch Frauen teilhaben lassen, um sie vor Vereinsamung zu schützen“, berichtete Annika Fideleo. Als Initiatorin betreut sie die Kinder. Damals unentgeltlich, heute als Honorarkraft.  
Denn seit drei Jahren kommt der Flüchtlingsfonds des Erzbistums Paderborn finanziell für die Finanzierung des Kurses auf. Die praktische Durchführung obliegt der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung (kefb) mit Sitz in Bielefeld. „Es freut uns, auch für Nichtchristen da sein zu können“, erklärten Effi Hopfe und Stephan Polle vom kefb-Team.  
Die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul stellt die Unterrichtsräume kostenlos zur Verfügung und trägt darüber hinaus zehn Prozent der Kosten. Die Entscheidung war unumstritten, wie Johannes Salmen, der Vorsitzende des Kirchenvorstands, erklärte. „Es gibt keinen besseren Zweck“, verdeutlichte er. „Es läuft wunderbar.“  
Um den 20 Frauen die Teilnahme überhaupt zu ermöglichen, wird der Nachwuchs von Annika Fideleo, Uta Plitt und drei weiteren Frauen betreut. Sie genießen ein hohes Vertrauen der geflüchteten Frauen, denn zu den 18 Kindern gehören auch neun Wickelkinder im Alter ab drei Monate. Während des Unterrichts sind sie in einem nur 250 Meter entfernten Raum der evangelischen Kirchengemeinde am Sedanplatz untergebracht. „Für mich und die Kirchengemeinde war das ganz selbstverständlich, denn sonst gäbe es das Projekt ja gar nicht“, sagte Pfarrer Richard Krause.  
Der Kursus findet vormittags am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag statt. „Das läuft wie ein Uhrwerk“, sagte Dozent Peter Lohmann. Dass ein christliches Kreuz an der Wand hängt, sei noch nie ein Problem gewesen. Er stellt ein ausgeprägtes Interesse bei den Frauen aus Afghanistan, dem Irak und Syrien fest. Selbst während der gegenwärtigen Ramadan-Zeit sind nahezu alle anwesend. Denn im Unterricht werden auch praktische Fragen beantwortet: Was steht eigentlich in dem Brief von der Krankenkasse oder was möchte die Behörde von mir? Ein Modul erstreckt sich über 200 Stunden. „Das ist dann eine gute Vorbereitung für die Integrationskurse“, erklärte Lohmann.
Die Stadt Lage begrüßt den Sprachkursus, leistet ideelle Unterstützung und bietet Hilfestellung an, verdeutlichte Diemo Dölle, Fachgruppenleiter Soziales in der Stadtverwaltung. „Hier wurde ein hoher Professionalisierungsgrad erreicht“, sagte er. „Was ehrenamtlich begann, erfüllt inzwischen sogar die Förderrichtlinien.“ Den Betreuerinnen machte er ein Kompliment: „Schön, dass es Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gibt, die diese Aufgabe übernehmen. Für die Größe Lages ist das ein Achtungserfolg.“
Text bzum Bild: Ein großer Schritt in Richtung Integration: Während die Kinder in der Nähe betreut werden, können ihre Mütter in Ruhe Deutsch lernen und ihre Fragen loswerden. Im Hintergrund die Verantwortlichen (von rechts): Peter Lohmann, Stephan Polle, Uta Plitt, Diemo Dölle, Annika Fideleo, Pfarrer Richard Krause, Effi Hopfe und Johannes Salmen.

Copyright Foto und Text: Knut Dinter