Vorwort zum Programm Juli bis Dezember 2018

Liebe Leserinnen und Leser!
Suche Frieden" - das Leitwort des Deutschen Katholikentages 2018.

Suche Frieden – ein Hilferuf oder ein Appell?

Suche Frieden – ein Hilferuf –
ich suche Frieden, ich, der syrische Flüchtling, der um Bleiberecht kämpft; ich, der Arbeitslose, der keinen Job findet und jede Lebensperspektive verloren hat; ich, die alleinerziehende Mutter, die die Traumata der Gewalterlebnisse nicht überwinden kann; ich, der Krebskranke, der allein und auf sich gestellt die Todesdiagnose verarbeiten muss; ich, der Gottsuchende, der den Glauben an das Gute im Menschen verloren hat.

Suche Frieden und jage ihm nach (Ps 34,4) – ein Appell -
geboren aus einer tiefen Sehnsucht , die sich wiederum aus den schmerzlichen Erfahrungen mannigfacher Gesichter des Unfriedens speist: Gewalt, Zerstörung, Hass, Intoleranz, Verachtung, Vereinsamung, Demütigung - ein Auftrag, der eine besondere Wertschätzung und Bedeutung durch die Seligpreisung der Friedensstifter erhält: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen". ( Mt 5,9)

Beiden Verstehensweisen wohnt eine tiefe Sehnsucht inne. Zugleich machen die Schriftstellen Hoffnung, dass Frieden keine Illusion ist. Wie kann er gelingen? Eva Rechlin antwortet darauf in ihrem Gedicht

Der Friede":

„Der Friede wächst wie Rosen blühn
so bunt, so schön, so still.
Er fängt bei uns zu Hause an,
bei jedem, der ihn will."

„...bei jedem, der ihn will." Dabei umfasst die Richtung des Friedensweges drei Dimensionen:Frieden mit Gott, Frieden mit anderen, Frieden mit mir.Frieden mit Gott – Versöhnung mit Gott – dahinter verbirgt sich die je eigene Gottesbeziehung, die nur gelingen kann, wenn ich in Beziehung zu mir selbst lebe.Und – aus der interaktiven Dialogbeziehung zum je anderen ergibt sich folgerichtig der Respekt vor der Freiheit des anderen als gleichwertiges Ebenbild Gottes – eine Voraussetzung für innerkirchlichen, ökumenischen. interreligiösen und – kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Frieden.

Das katholische Bildungswerk Bielefeld möchte mit verschiedenen Veranstaltungen diese Gedankengänge näher in den Blick nehmen.

Der bekannte Karmelit P. Dr. Reinhard Körner stellt die These auf: Wir Menschen können ohne Gott leben, aber Gott nicht ohne uns. Gibt es daraus eine Konsequenz für meinen eigenen Friedensweg?

P. Dr. Johannes Schwarz führt uns auf seinem „Pilgerweg der Begegnung" in die einsame Stille der Wüste, die nicht leer ist, sondern erfüllt, eine Stille, in der Gott zum Herzen spricht und Frieden im Innersten ermöglicht.

Brauchen wir die Religion für einen gelingenden Friedensprozess? Zeigen uns doch heilige Schriften, Geschichte und Gegenwart, welches Gewaltpotenzial in der Religion steckt? Brauchen wir nicht viel mehr eine säkulare Ethik?„Wir alle sind physisch, mental und emotional Schwestern und Brüder", sagt der Dalai Lama, „ und kommen nicht als Mitglied einer bestimmten Religion auf die Welt, aber Ethik ist angeboren. Sie kann zur elementaren und menschlichen Urquelle für Güte, Mitgefühl, Verständnis und Toleranz werden." Der Prior der Prämonstratenserabtei Hamborn, P. Dr. Rudolf Hein, wird dieser Frage auf den Grund gehen.

Friedenswege sind nicht frei von Stolpersteinen, auch nicht im innerkirchlichen resp. ökumenischen Bereich. Inzwischen wird in einer offenen, von Vertrauen und gegenseitigem Respekt getragenen Atmosphäre über noch zu überwindende Hindernisse auf dem Weg zur Einheit diskutiert, wie z. B. über die Ämterfrage und das gemeinsame Abendmahl bzw. die gemeinsame Kommunion konfessionsverschiedener Ehepartner.Als Direktorin an dem Ökumenischen Institut der kath. - theologischen Fakultät der Universität Münster benennt Prof´in Dr. Dorothea Sattler Divergenzen und Bemühungen auf diesem religiös– theologischen Friedensweg.

Basis des ökumenischen Friedensprozesses ist die Hl. Schrift. Unterschiedliche Übersetzungen können zu unterschiedlichen Gewichtungen und deren Konsequenzen führen. Welche Bedeutung kommt Luthers Bibelübersetzung zu ? - fragt Dr. Karin Koenemann.

Die Zukunftsfrage nach dem Fortbestand unserer Kirchengemeinden angesichts fehlender Priester bewegt uns alle. Bruno Krenzel, Geschäftsführer des Seelsorgeamtes/Gemeindepastoral im Generalvikariat Osnabrück fragt:„Was tun, wenn die Priester fehlen?"

Und noch einmal Eva Rechlin:

„Man braucht zum Frieden Liebe,
natürlich auch Verstand,
und wo es was zu heilen gibt:
jede Hand."

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre beim Studieren der Angebote des kbws, des BILDungsPUNKTes und der Gemeinden.

Herlinde Jolk
-1.Vors. Kbw