Vorwort zum Programm Januar bis Juli 2021

„Hl. Corona, bitte für uns!“ (Flyer download).

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ungläubiges Staunen – fragender Blick - Sprachlosigkeit -  ich google:
Tatsächlich: Die hl. Corona, Märtyrerin der Spätantike, wird in vielen Ländern verehrt, zum Beispiel in Deutschland, Österreich, Italien und Teschechien. Verehrungstraditionen gibt es in der griechischen, lateinischen und der äthiopischen Kriche.  In Niederösterreich, in St. Corona am Weichsel finden Corona-Wallfahrten statt.  Denn: die hl. Corona gilt als Patronin gegen Seuchen.
Seit 997 werden Reliquien der Heiligen auch in Aachen verehrt, wohin sie Kaiser Otto III. brachte.
Und warum reden wir von „Corona“, wenn wir das Virus Covid-19 meinen?
Corona (lateinisch) bedeutet „Krone“; bezogen auf die Heilige weist es auf sie als „Gekrönte“ hin; dem besagten Virus wird eine kronenförmige Gestalt zugesprochen.

All diese Informationen mögen zunächst von sekundärer Bedeutung sein, nimmt man die dramatische Ausbreitung des Virus weltweit und  ihre tiefgreifenden Konsequenzen bis in alle Lebensbereiche hinein in den Blick.
Unsicherheit, Angst, Fragen sind überall spürbar: Steckt das Virus schon in mir? Wer wird an ihm sterben? Welche Folgen hat der Shutdown, das Einfrieren des öffentlichen Lebens? Was, wenn Menschen zu Hause depressiv werden, durchdrehen, um sich schlagen? Was, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, die Arbeitslosigkeit steigt, Armut um sich greift, soziale Unruhen ausbrechen?
Ohnmacht und Hilflosigkeit, die sich auf unterschiedliche Weise ausdrücken. Da sind die einen, die sich in Verschwörungstheorien hineinsteigern auf der Suche nach einem Schuldigen, einem Verantwortlichen – da sind die anderen, die nach „Lösungen“ im weitesten Sinne suchen – Politiker, Mediziner, Wirtschaftsanalytiker...Immer aber geht es doch um die Frage: Was macht die  Pandemie   mit uns als Menschheitsfamilie, die jede und jeden mit einschließt, und mit mir als Einzelnen und doch zugleich Teil dieser Menschheitsfamilie? Wie gehen wir, wie gehe ich mit Begrenzungen, Einschränkungen, Isolation um? Was trägt mich, gibt mir Halt, wo finde ich Kraftquellen? Worauf und auf wen setzen wir unsere Hoffnung?

Auf dem Weg der Antwortsuche stoßen wir unweigerlich auf die Frage nach unserem Verständnis vom Menschen  und auf die Frage nach unserem Gottesbild.
Herbert Grönemeyer singt: „ Der Mensch heißt Mensch/ weil er irrt  und weil er kämpft/ weil er hofft und liebt/ weil er mitfühlt und vergibt.“
Und diesem Menschen wendet sich Jesus in seiner umarmenden und vergebenden  Liebe zu und offenbart uns Gott als den barmherzigen Vater, der mit uns geht, ein Mit-Geh-Gott im Heute, ein Gott der Gegenwart. In Jesus Christus geht der leidende Gott-Mensch uns auf unserem je eigenen Lebensweg begleitend voran.

Mehrere Veranstaltungen des kath. Bildungswerkes werden sich mit dieser Thematik der „Kraftquellen- und Hoffnungssuche“ auseinandersetzen.

-     Der Theologe Karl-Heinz Does, Heinrich-Lübke-Bildungshaus Möhneesee, fragt explizit nach diesem Bild vom Mit-Geh-Gott und wie weit sich unser Gottesbild durch zeitgeschichtliche und individuell-biographische Entwicklungen  verändert.

-    „Ist Gott von gestern – oder nur unser Weltbild?“ - Prof. Dr. Thomas Nauerth untersucht anhand des Psalmes 68  den Zusammenhang zwischen Gottes- und Weltbild.

-    Welche Antworten finden wir in den Gleichnissen des NT und welches Potenzial steckt in den  jesuanischen Rätselreden für ein gelingendes Gemeindeleben, das in Corona-Zeiten ein anderes ist?  Dr. Christian Schramm, Theologe, Hildesheim, geht mit uns auf Spurensuche.

-    Menschlichkeit JETZT! fordert der aus der Schweiz stammende Theologe und spirituelle Lehrer Pierre Stutz. Gerade stehen für sein eigenes Leben und über sich selbst hinauswachsen heißt die Lebenskunst, die er in seinem Plädoyer für mehr Menschlichkeit entfaltet. Dabei geht es darum, die eigenen spirituellen Wurzeln zu entdecken und zu stärken für eine menschlichere Welt, ganz im Sinne von Mahatma Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir von der Welt wünschst!“

-    Wie weit Gandhis Haltung und Botschaft das Leben und die Verkündigungsintention Dietrich Bonhoeffers beeinflusst haben könnte, zeigt der evg. Pfarrer Johannes Weissinger, Kirchenkreis Wittgenstein, in seinem Vortrag anhand eines Briefes Bonhoeffers an Gandhi auf, der erst vor einiger Zeit an die Öffentlichkeit kam.

-    Krisenzeiten verändern – lange verdeckte Missstände werden sicht- und spürbar, verschärfen sich sogar,  können aber auch starke Impulsgeber für konkrete Veränderungen sein in der Sorge um eine gerechtere Welt. Im Rahmen eines Frauenbildungsfrühstücks  legt Prof´in Dr. Agnes Wuckelt den Fokus auf die Bemühungen zur Gleichstellung der Geschlechter in Gesellschaft und Kirche und beleuchtet dabei die Chancen des synodalen Weges.

-    Im Prozess der Veränderungen und Reformen scheint die katholische Kirche schwer an der Last ihrer Dogmen und Traditionen zu tragen. Prof. Dr. Michael Seewald, Dogmatiker, Universität Münster, meint, dass Dogmen und Traditionen bei näherem Hinsehen nicht so starr wie gedacht und so einengend sind wie sie wahrgenommen werden, dass sie sich vielmehr einem Prozess des Werdens und der Veränderung verdanken, eine Einsicht, die auch heute befreiend wirken und weitreichende Möglichkeiten der Reform eröffnen könnte.

Und schließlich lohnt sich auch dies zu bedenken – mit Blick auf den Anfang dieses Vorwortes:

        „Christen, die beten sind wie Säulen,
            die das Dach der Welt tragen.“    Martin Luther
       
Das katholische Bildungswerk hofft, Ihr Interesse beim Lesen unserer Veranstaltungsangebote geweckt zu haben.

Herlinde Jolk
-  Vors. Kbw -

Den aktuelen Flyer finden Sie hier zum download.