„Sind Sie schon geboostert?“

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Sind Sie schon geboostert?“
Vor einiger Zeit hätten wir vermutlich den Fragenden verständnislos angeschaut  - was meint er - , es sei denn, das Fragegespräch hätte  im technischen Umfeld von Raketen- und Raumfahrtentwicklung stattgefunden.

Denn: Booster beschreibt, so kann man nachlesen,  eine Hilfsrakete, ein  Zusatztriebwerk beim Raketenstart, das für eine Schubsteigerung sorgt, also sozusagen einen gelingenden Start und damit ein Erfolg versprechendes  Ergebnis des Vorhabens sichert.
Also: ist die Grundrakete schon geboostert?

In Corona-Zeiten  löst die Frage keine Verwirrung aus, leicht kann man sie bejahen oder verneinen, gehört der Begriff einerseits doch inzwischen zu unserem alltäglichen Sprachgebrauch und  umschreibt  er andererseits den Grad einer gewissen Immunisierung gegenüber dem Covid 19 -Virus, denn er hat Auffrischungscharakter bei einer bestehenden Grundimmunisierung.

Wäre das nicht auch ein  „Rezept für unsere Kirche“ - ein Booster -
ein Antreiber, ein Verstärker, der eine Schubsteigerung verspricht, eine Auffrischung zur bestehenden Grundsozialisierung /Verheimatung im Glauben?
Die Notwendigkeit einer Therapie ist unstrittig, aber sie lässt sich nicht rezeptual verordnen. Wir wissen um die großen Bemühungen auf Welt – oder nationaler und diözesaner Ebene -  Weltsynode, Amazonassynode, synodaler Weg, Diözesanes Forum 2030+ , Pastoralvereinbarung – wir wissen auch um die Bedeutung der kleinen Schritte,  der konkreten Arbeit vor Ort, unterschiedlich in Ausrichtung und Gestaltung.

In diesen Kontext reiht sich die Arbeit des kath. Bildungswerkes , einschl. des Bildpunktes mit seinen  Angeboten im 1. Halbjahr 2022 ein, bezugnehmend auf ein Zitat von Erzbischof Becker: „ Der Weg der Erneuerung ist unmittelbar auch eine Frage der Bildung.“ (aus: Perspektive 2014)

>>    Der Frage nach unserem Gottesbild, seiner Vielfalt und Bandbreite, wird der Theologe  Karl-Heinz Does, in einer Abendveranstaltung nachgehen, die zurückliegend zweimal verschoben werden musste.

>>    Die Bedeutung der Religion(en) für ein gelingendes Zusammenleben der Menschen, näherhin für den Weltfrieden, ist ohne interreligiösen und -kulturellen Dialog nicht denkbar. Dr. Perry Schmidt-Leukel, Professor für Religionswissenschaft und interkulturelle Theologie, entwickelt eine Theorie religiöser Vielfalt auf der Suche nach der  religiösen Wahrheit.

>>    Konkret kann die Fragestellung nach der religiösen Vielfalt in einer Dialogveranstaltung mit der Rabbinerin Dr.Ulrike Offenberg (Hameln) und der christlichen Theologin Dr. Esther Brünenberg (Steinfurt) erfahrbar werden. Sie stellen Verwandtschaft und Verschiedenheit des jüdischen Pessach- und des christlichen Osterfestes vor und  verbinden diese in der Bedeutungsaussage Befreiung zum Leben.

>>    Im Vortrag von Prof. Dr. Klaus von Stosch  wird bei der Untersuchung religiöser Vielfalt der Bogen zum Islam geschlagen. Er untersucht das Marienbild des Korans und bringt es mit dem Marienglauben der katholischen Kirche ins Gespräch.

>>    „Christen interessieren sich für gesellschaftliche Vorgänge, fragen nach Hintergründen und suchen Erläuterungen“ - und daraus folgend Handlungsperspektiven. So umschreibt das Bildungswerk auf seinem Programmflyer „Horizonte“  die Intention seiner Arbeit.
Die Einladung des Politikers  Dr. Gregor Gysi, MdB, ist hier einzuordnen. Im Gespräch mit dem Journalisten Hans-Dieter Schütt wird er seine Biographie „Ein Leben ist zu wenig“  und  seine innenpolitischen und geopolitischen  Betrachtungen, auch über die deutschen Grenzen hinweg, vorstellen.

In der Hoffnung, dass wir alle geplanten Veranstaltungen – auch in Corona-Zeiten – durchführen können, wünsche ich Ihnen eine boosternd - inspirierende Lektüre.


Herlinde Jolk
- Vors. kbw -

Anbei das Programm zum Download.